Stellungnahme zum Rücktritt von Nancy Janz als Betroffenen-Sprecherin im Beteiligungsforum (BeFo) der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD)
Wenn es nach vier Jahren Arbeit im Befo zum Rücktritt kommt, dann hat das sicher verschiedenste Gründe.
Wir sagen Nancy Janz Danke für die geleistete Arbeit, ungeachtet auch unterschiedlicher Ansichten!
Nancy Janz spricht in verschiedenen Berichten von ihrem Eindruck, dass Kirchenstrukturen verschleppend wirken.
Aufgrund des evangelischen Föderalismus werden die EKD Beschlüsse nicht direkt umgesetzt.
Permanent drehen Vorlagen Runden über verschiedene Gremien.
Was demokratisch wirken soll entpuppt sich als Machtinstrument, wenn Beschlüsse im Karussellprinzip ‚Dauer kreiseln‘. Betroffene – und nicht nur diese – empfinden die langen Zeiträume als quälend und Ausdruck erneuter Machtausübung. Spürbare Ergebnisse zu ihren Gunsten werden immer wieder hinausgezögert. Betroffene haben dadurch immer wieder das Nachsehen. Das ist ein wichtiger Kritikpunkt, den wir teilen.
Und dies natürlich auch mit Blick auf die Arbeit der URAK, die hoffentlich bald in unserem Verbund Niedersachsen und Bremen starten wird.
Wieviel verzögernden Einfluss werden Kirchenstrukturen haben?!
Wie nachhaltig werden bisher getätigte Aussagen zu Plänen der Kirche beim Umsetzen der Aufgaben der URAK in der Praxis sein, sobald diesen finanzielle Mittel folgen müssen?!
Das unklare, irritierende Vorgehen der Kirchenleitung erfuhren Betroffene der Landeskirche Hannovers im letzten Jahr beispielhaft anlässlich der Einschränkungen des Rederechts bei der Synode in Hannover.
(Wir erinnern, die Öffentlichkeit war trotz einfacher technischer Möglichkeiten komplett ausgeschlossen. Und die Betroffenen aus dem Heimkontext von Diakonie blieben vom Rederecht ausgenommen.)
Und wir erleben es in der Konföderation Niedersachsen und Bremen eben just angesichts der Einschränkungen/ Veränderungen bei der Umsetzung der Anerkennungsrichtlinien der EKD, welche eben auch zum Nachteil Betroffener wirken werden – so auch unsere Befürchtung.
Wir ahnen, dass sich die Arbeit, die in der URAK von Betroffenenseite zu leisten sein wird, sinnvoller Weise und zum Schutz Einzelner vorbeugend auf mehr als nur die bisher vorgesehenen drei Betroffenen Delegierten verteilen sollte.
Deshalb haben wir schon in den vorbereitenden Workshops auf dieses Ungleichgewicht hingewiesen, das sich aus unserer Sicht ergibt, und fordern als BV, die Zahl der Delegierten aus der Reihe der Betroffenen zu verdoppeln, ohne die Zahl der Stimmen zu erhöhen.
Das wäre eine zielführende Stärkung der Partizipation Betroffener.
Wir sehen als Konsequenz aus dem nun ja quasi zweiten Rücktritt Betroffener, die maßgeblich in kirchlichen Aufarbeitungsprozessen mitgewirkt haben, die zwingende Aufgabe und Verantwortung bei der Kirche, aus den vielen Worten eben keine versandenden Floskeln werden zu lassen.
Die Kirche steht gegenüber Betroffenen, Opfern, Überlebenden im Wort. Und sie bricht es regelmäßig an ganz entscheidenden Stellen.
Wir setzen daher auch auf die weitere Begleitung der Prozesse durch die Medien.
Verschleppung – aus welchen Gründen auch immer – birgt die Gefahr der Ermüdung nicht nur in kirchlicher Wahrnehmung, sondern auch der der Öffentlichkeit.
Wir unterstreichen insgesamt, dass die Partizipation von Betroffenen elementar ist und nachhaltig in die praktischen Prozesse einfließen muss – siehe ForuM-Studie , die sich zum zweiten Mal gejährt hat. Angesichts der Rücktritte ein bitterer Jahrestag.
Im Februar 2026.
Die Betroffenenvertretung der URAK Niedersachsen und Bremen

Nachtrag zur Synode der Evangelischen Landeskirche Hannovers 26.11.25
Auf der Synode der Evangelischen Landeskirche Hannovers am 26.11.25 hatten erstmals einige von sexualisierter Gewalt betroffene Personen die Möglichkeit, direkt zu den Synodalen zu sprechen. Allerdings war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, d.h. auch anderen Betroffenen war es nicht möglich, die Redebeiträge zu hören.
Daher entschied die Betroffenenvertretung der URAK Niedersachsen und Bremen, die Redebeiträge dieser Einzelpersonen auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen.
Die Reden sind Eigentum der jeweiligen Verfasser*innen und dürfen nicht ohne Rücksprache kopiert oder verwendet werden. Kontakt kann über die Geschäftsstelle hergestellt werden.
Auch wenn Sie vor der Synode gesprochen haben und Ihren Beitrag veröffentlichen möchten, nehmen Sie gerne Kontakt über die Geschäftsstelle auf.
Redebeitrag Horst E.
Redebeitrag Kerstin Krebs
Redebeitrag Jürgen Dietrich
Foto: Vier der Betroffenenmitglieder: v.l. Frau G.W., Jürgen Dietrich, Ronald Schulze und Ioannis Wolters ©Ute Dorczok